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Verletzungen

Franz (Wallach, schweres Warmblut) ging es gar nicht gut. Er hatte eine Verletzung am Hinterbein, die nicht heilen wollte. Außerdem wurde eine Leberfunktionsstörung festgestellt, die wohl mit dazu beitrug, daß die Wunde an seinem Bein seit so langer Zeit offen blieb. Für die Zeit meines Urlaubs hatte ich seine Pflege übernommen. Die Wunde behandelte ich mit einem Heilschaum, den ich zuvor in Wasser zubereitete. Mit einem Schwamm mußte ich den Schaum auf die Wunde auftragen, ohne sie mit dem Schwamm selbst zu berühren. Eines Tages passierte es aber doch: Als ich fast fertig war, setzte der Schwamm leicht auf. Franz zuckte zusammen und reflexartig kam sein anderes Hinterbein in meine Richtung geflogen. Außer einem leichten Streifschuß an der Nase hatte ich nichts abbekommen. Allerdings hatte ich danach gut verstanden, wie schmerzempfindlich auch Pferde sein können, obgleich man es nicht immer sieht. Nach diesem Vorfall war ich noch vorsichtiger beim Behandeln seiner Wunde. Franz wurde bald danach wieder gesund.

“Mein” Pferd Guy hatte sich genau in der Beuge des Sprunggelenks seines rechten Vorderbeins verletzt. Durch die ungünstige Lage wollte die Wunde einfach nicht verheilen. Immer wieder riß sie erneut auf. Ausgerechnet jetzt stand mir eine Woche Urlaub in Thüringen bevor, während der ich die Wunde dann natürlich nicht kontrollieren könnte. In meiner Urlaubswoche kam der Tierarzt auf den Thüringer Pferdehof, den ich natürlich gleich zu der Wunde befragte. Am nächsten Tag fuhr ich in seine Praxis, wo ich Verbandsmaterial und Heilsalbe erhielt. Wieder zu Hause versorgte ich damit die Wunde meines Pferdes. - Die Heilsalbe heilte wirklich und hielt das Gewebe weich, der Verband hielt die Fliegen fern, so daß Guy bald wieder völlig in Ordnung war.


Verletzungen bei Pferden kommen häufig vor und sind vielfältig - abhängig vom betroffenen Körperteil und der Art der äußeren, mechanischen Einwirkung. Viele Verletzungen stellen wir erst fest, wenn sie schon auf dem Wege der Heilung sind. Manche Verletzungen könnten jedoch zu Entzündungen, Infektionen und sogar bleibenden Schäden führen. Solche Wunden müssen behandelt werden. Die Behandlungspflicht bei größeren und stark blutenden Wunden versteht sich von selbst.

Ursachen

Der Rest eines abgebrochenen Astes, ein hervorstehender Nagel am Zaun, ein infizierter Insektenstich oder ein Huftritt eines anderen Pferdes - Ursachen für Verletzungen bei Pferden gibt es viele. Auch Sattel und Trense können Verletzungen hervorrufen, wenn diese nicht richtig passen oder nach Benutzung nicht gereinigt wurden. Zum Beispiel kann ein Trensengebiß mit angetrocknetem Schmutz vom vergangenen Ausritt die Maulwinkel des Pferdes blutig aufscheuern.

Was ist zu tun?

Die meisten kleineren oder oberflächlichen Verletzungen heilen recht schnell von selbst an frischer Luft. Trocknen Wunden nicht ab oder beginnen wieder zu nässen, müssen die Wundränder gesäubert, desinfiziert und abgedeckt werden, damit keine Fliegen an die Wunde gehen. Fliegen könnten eine Infektion der Wunde hervorrufen. Heilsalbe kann den Wundschorf weichhalten und die Heilung beschleunigen, vor allem bei immer wieder aufreißenden Wunden.
Bei meinem Pferd Guy infizieren und entzünden sich Insektenstiche desöfteren und werden dann zu kleinen, eitrigen Wunden. Ich decke diese Stellen mit Zinksalbenspray ab, um Fliegenbefall zu vermeiden und die Heilung zu begünstigen.

Größere, blutende Wunden sollten fachgerecht durch den Tierarzt versorgt werden. Bis zu dessen Eintreffen wird die Wunde durch eine sterile Wundauflage, die durch einen Verband gesichert wird, steril abgedeckt. Verbände an den Beinen müssen zusätzlich mit Verbandswatte zwischen Wundauflage und Verband abgepolstert werden. Die Watte soll dabei nicht in die Wunde geraten. Verwenden Sie nicht eigenmächtig Salben oder Desinfektionsmittel; überlassen Sie das dem Tierarzt.

Tiefe, große und / oder stark blutende Wunden müssen immer vom Tierarz versorgt werden. Schauen Sie sich jede Wunde genau an. Stichwunden können schnell unterschätzt werden, da sie kleinflächig und gering blutend sein können. Decken Sie die Wunden bis zum Eintreffen des Tierarztes steril ab. Starke Blutungen müssen durch einen Druckverband gestillt werden: direkt auf die Wunde legt man den Druckverband oder ersatzweise den gesamten Inhalt eines Päckchens Verbandmull, der dann durch eine selbsthaftende Bandage gesichert wird. Blutet der Verband durch, kommt auf diesen nochmals ein gleichartiger Druckverband. Der erste Verband wird nicht abgenommen!

Hinweis: Verletzt sich das Pferd unterwegs auf einem Ausritt, wo Sie kein Verbandszeug dabei haben, kommt es bei starken Blutungen in erster Linie darauf an, den Blutverlust zu minimieren. Scheuen Sie sich also nicht, notfalls sogar mit Ihren Händen Druck auf die Blutung auszuüben, bis der Tierarz eintrifft.

Noch ein Hinweis: Vergessen Sie bei der Behandlung eines pferdischen Patienten niemals Ihre eigene Sicherheit! Einem Pferd bereiten Verletzungen die gleichen Schmerzen wie uns Menschen. Wenn Sie also eine Wunde versorgen, bleiben Sie immer außerhalb des Schlagbereichs der Hufe! Das Pferd könnte reflexartig ausschlagen.

Wichtig:
Verletzungen
Kleinere, oberflächliche Verletzungen heilen meist von allein an Licht und Luft.
Nässende, offene Wunden sollten gegen Fliegenbefall abgedeckt werden.
Große, tiefe und / oder stark blutende Wunden müssen steril abgedeckt und die Blutung gestillt werden. - Tierarzt!